Die Wahlurnen haben im Südlichen und Östlichen Afrika teilweise Hoffnungsschimmer geweckt. In Südafrika verlor der African National Congress (ANC) 2024 nach drei Jahrzehnten seine Machtmonopolstellung, während Botswana – lange als demokratischer Vorreiter der Region angesehen – nach einem Oppositionssieg einen friedlichen Machtwechsel erlebte. Mauritius liegt in Bezug auf politische Transformation knapp hinter Botswana, steht jedoch zunehmend wegen digitaler Überwachung und eines schleichenden autoritären Rückschritts in der Kritik. In den 14 Autokratien der Region bleiben Wahlen hingegen weitgehend Rituale der Legitimation oder finden erst gar nicht statt – wie in Eritrea, wo das System zunehmend totalitäre Züge trägt. Mosambik ist nach massiven Wahlunregelmäßigkeiten und der gewaltsamen Niederschlagung von Jugendprotesten nun in die Gruppe der harten Autokratien abgerutscht. Der anfängliche Optimismus nach politischen Übergängen in Sambia und Tansania hat sich weitgehend verflüchtigt. Reformprozesse sind ins Stocken geraten, und die Regierungen gehen zunehmend repressiv gegen Opposition und Zivilgesellschaft vor. Auch in Kenia kam es zu landesweiten Studenten- und Jugendprotesten gegen Steuererhöhungen, die mit massiver Polizeigewalt beantwortet wurden. Der Südsudan und Somalia bleiben gescheiterte Staaten, die weiterhin von Bürgerkrieg und Instabilität geprägt sind.
Die wirtschaftliche Transformation in der Region bleibt begrenzt. Während der BTI 2026 eine Stagnation in der gesamten Region zeigt, haben von den 18 Ländern, die sowohl in der BTI 2006- als auch in der BTI 2026 Ausgabe enthalten sind, nur vier – Lesotho, Dschibuti, Äthiopien und Simbabwe – messbare Fortschritte in der sozioökonomischen Entwicklung erzielt. Lesotho sticht als das Land mit der besten Leistung in der Region hervor, während Mauritius nach wie vor das einzige Land ist, das als in einem fortgeschrittenen Stadium der Transformation befindlich eingestuft wird. Trotz einer leichten Erholung von der Pandemie und sinkender Inflationsraten werden Fortschritte weiterhin durch weit verbreitete Korruption, die Vereinnahmung wirtschaftlicher Ressourcen durch Eliten, schwache Institutionen und fragmentierte soziale Sicherheitsnetze behindert. In autoritären Staaten wird die Entwicklung des Privatsektors durch Unterdrückung, Korruption und internationale Isolation zusätzlich eingeschränkt. In gescheiterten Staaten wie Somalia und Südsudan sowie in Eritrea und Simbabwe herrschen für die Mehrheit der Bevölkerung weiterhin katastrophale Bedingungen.
Die Regierungsführung in der Region bleibt von tief verwurzelten strukturellen Problemen geprägt – weitverbreiteter Armut, geringer wirtschaftlicher Diversifizierung und schwacher Staatlichkeit. Antikorruptionsbemühungen bleiben besonders schwach. Mit Ausnahme von Botswana und Mauritius sind die meisten Länder stark von ausländischen Krediten und Entwicklungshilfe abhängig. Der drohende Rückzug der US-Entwicklungshilfe zeigt bereits gravierende Folgen.
Anja Osei
Regionalkoordinatorin Südliches und Östliches Afrika
Siegmar Schmidt
Regionalkoordinator Südliches und Östliches Afrika